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2015-10-12 0 664

Tipping Point – wenn Quantität in Qualität umschlägt

Kennen Sie den Film „Der Flug des Phönix“? In der Handlung gibt es einen Punkt, von dem an klar ist: Jetzt ist das Schlimmste überwunden, es geht bergauf – und zwar, als die Crew es schafft, ein tonnenschweres Wrackteil von der einen Seite des abgestürzten Flugzeugs auf die andere zu heben. Danach rückt das Ziel der Aktion in greifbarere Nähe als je zuvor; aus den verbliebenen Wrackteilen ein neues Flugzeug zu bauen, ist keine Utopie mehr, sondern tatsächlich umsetzbar.

 

Dieser kleine Moment, in dem sich etwas ändert

Auch in Turnaround-Projekten gibt es diese Tipping Points – Momente, in denen die gesamte Anstrengung des bis dahin verflossenen Zeitraums (Quantität) bewirkt, dass sich etwas ändert (Qualität).

Dies lässt sich an ganz unterschiedlichen Punkten festmachen: In meinem aktuellen Projekt beispielsweise arbeiteten wir zunächst sehr, sehr hart. Niemand verließ das Büro vor elf Uhr abends, „Pause“ war zum Fremdwort geworden. Und dann kam dieser eine Abend, an dem auf einmal drei oder vier der Hauptleistungsträger des Teams gegen 19 Uhr ihre Sachen zusammenräumten und sich mit dem Hinweis auf Konzertkarten, Training und ihre Familie in den Feierabend verabschiedeten. Wir standen da, schauten uns an, und irgendwie war klar: Nach all dem Stress der letzten Wochen war nun endlich wieder eine gewisse Ruhe und Stabilität eingekehrt. Wir konnten guten Gewissens zu einer ganz normalen Zeit die Arbeit hinter uns lassen und uns um andere Dinge kümmern.

 

Signale für die Trendumkehr

Neben diesem – zugegebenermaßen sehr subjektiven – Kriterium, gibt es noch weitere wichtige Signale dafür, dass man mit seinem Projekt den Tipping Point und damit die Trendumkehr erreicht hat:

  • Die KPI zeigen eindeutig an, dass sich nach monate- oder wochenlanger Durststrecke die Dinge wieder besser entwickeln.
  • Die Eskalationen seitens des Kunden sind deutlich zurückgegangen. Ebenso die Eskalationen, die von den Kunden des Kunden kommen. Ein Beispiel: In meinen Projekten arbeiten wir normalerweise eng mit den IT-Bereichen des Kunden zusammen, der aber auf der Business-Seite wiederum auch Kunden hat. Diese Kunden des Kunden sind meist diejenigen, die Eskalationswellen lostreten – weil irgendwelche Anwendungen nicht fehlerfrei funktionieren. Wenn unser Kunde uns nun mitteilt, dass die Eskalationen bei ihm deutlich zurückgehen, dann wissen wir, dass wir an unserem Ende etwas richtig gemacht haben und dass unsere Anstrengungen fruchten.
  • Projektmitarbeiter, die in verantwortlichen Rollen agieren, können ihre Termine alleine wahrnehmen, sie werden von den Kunden akzeptiert, stellen ihnen die richtigen Fragen, agieren rundum professionell, so dass man sie nicht mehr in den Meetings unterstützen muss.
  • Als Turnaround-Projektmanager kommen Sie aus einer reagierenden in eine agierende Position. Sie fühlen sich nicht mehr getrieben von den Dingen, sondern können sie gestalten.

Diese Punkte sehr bewusst wahrzunehmen und sie gemeinsam mit dem Team auch zu würdigen und zu feiern – das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor eines Turnaround-Projekts, der signalisiert: Die Lage stabilisiert sich, wir haben die richtigen Dinge getan, jetzt ist die Talsohle durchschritten und es geht bergauf, mit großen Schritten dem Ziel entgegen: das Projekt zu retten.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen wollen: Dies hier ist ein sehr gutes Buch:
Tipping Point: Wie kleine Dinge Großes bewirken können

 

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