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2015-06-15 2 1404

Ein Turnaround-Projektmanager muss zeichnen können

Stellen Sie sich vor: Sie moderieren ein Meeting und schreiben gerade ein paar Stichworte auf ein Flipchart. Als Sie sich wieder zur Gruppe umdrehen, sitzen alle da und gähnen. Klarer Fall: Hier wird es Zeit für ein bisschen Lebendigkeit! Malen Sie den Schnarchnasen doch was vor!

 

Teilnehmer mitnehmen

Jetzt sagen Sie bloß nicht, dass Sie gar nicht malen können! Das glaube ich Ihnen erstens nicht – jeder kann malen, sogar ich! – und zweitens wäre das erst recht ein Grund, es zu lernen. Denn ein guter Turnaround-Projektmanager kann es sich einfach nicht erlauben, die Teilnehmer seiner Workshops und Meetings zu langweilen. Gerade Menschen in Turnaround-Situationen sind angespannt, sie haben Workshops und Meetings meist so richtig satt – es gilt für Sie als Turnaround-Projektmanager also dreimal mehr, genau diese Menschen auf die schwierige Reise mitzunehmen, die vor Ihnen liegt.

Um Workshops und Meetings spannend und anders als alle anderen zu gestalten, gibt es viele Möglichkeiten und Moderationsmaterialien – in unserem Buch „TurnAround. Wenn Projekte kopfstehen und klassisches Projektmanagement versagt“ haben Roger Dannenhauer, Michael Merkwitza und ich ein Kapitel dazu geschrieben und wir sind u. a. große Fans der Stattys, elektrostatisch aufgeladener Zettel in unterschiedlichen Größen, die an allen glatten Flächen haften bzw. sich hin- und herschieben lassen.

Hier und jetzt geht es mir jedoch um Graphical Facilitation Technics und ihre Anwendung in Workshops – also Techniken, die das Einmaleins des Zeichnens und des Malens berücksichtigen und mit denen sich beispielsweise Flipcharts wesentlich aufwerten lassen.

Hier sehen Sie Beispiel:

[caption id="attachment_1925" align="aligncenter" width="662"]Beispiel Scribble Beispiel Scribble[/caption]

Mein Sprung ins kalte Wasser

Den limitierenden Glaubenssatz „Ich kann doch gar nicht malen!“ – den hatte ich mir selbst auch erfolgreich auferlegt. Und ich fand es immer toll, andere Menschen malen und zeichnen zu sehen. Irgendwann stieß ich auf die Bücher von Petra Nitschke und noch etwas später auf die von Bikablo. Beide Autoren haben sehr motivierende Bücher darüber geschrieben, wie man Zeichnen und Scribbeln lernt. Nachdem ich sie gelesen hatte, dachte ich: Das kann doch gar nicht sein, dass ich das nicht auch irgendwie hinkriege! Ich arbeitete also die Bücher durch und sprang ins kalte Wasser: Bei der nächsten Konferenz, an der ich teilnahm, setzte ich mich mit einem Zeichenblock und meinem Lieblingsstift in die Zuschauerreihen und nahm mir vor, mich nicht als Sprecher einzubringen und auch wenig auf die Slides zu achten, sondern vielmehr darauf, was gesagt wurde bzw. was ich hörte. Und so „malte“ ich jeden einzelnen Vortrag dieser Konferenz mit den Sketchnoting-Techniken, die ich in diesen Büchern gelernt hatte. Am Ende des Konferenztages, ich saß immer noch da und malte, sprach mich eine Frau an: „Du kannst ja super zeichnen, ich wünschte, ich könnte das auch!“

[caption id="attachment_1926" align="aligncenter" width="558"]Beispiel Scribble Beispiel Scribble[/caption]

Wie sehr ich mich über dieses Feedback freute, können Sie sich vielleicht vorstellen – ich, der ich immer dachte, ich könnte sowas überhaupt nicht, und der gerade mal ein paar Bücher darüber gelesen hatte und nun seine ersten Malversuche unternahm!

 

Jeder kann malen!

Dieses Erlebnis zeigte mir: Tatsächlich jeder kann zeichnen! Und ein Turnaround-Projektmanager muss sogar zeichnen – das ist meine Empfehlung. Nicht nur seine Flipcharts werden dadurch viel lebendiger und anschaulicher, sondern auch seine eigenen Notizen aus Moderationen, Meetings und Terminen. Diese Zeichnungen und Scribbles helfen ihm dabei, die Kernessenz dessen, was er gehört und gesehen hat, auch im Nachhinein wieder nachvollziehbar und erlebbar zu machen.

Nach meinen ersten erfolgreichen Zeichenversuchen besuchte ich übrigens noch ein Seminar für Graphical Facilitation – davon haben meine Flipcharts noch einmal deutlich profitiert. Heute ist mir das Zeichnen und Scribbeln in Fleisch und Blut übergegangen – und ich bekomme viel gutes Feedback von den Teilnehmern meiner Workshops und Meetings dafür. Sie freuen sich ganz einfach über meine Figuren und Darstellungen. Und das, was einen erfreut, verinnerlicht man sehr viel stärker, als schnöde Bullet-Point-Listen. Also los – malen Sie!

 

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KOMMENTARE

  1. David Goebel sagt:7. Februar 2017 um 10:45 (Editieren)
    Hallo Torsten, ich bin auch Projektleiter und Online Flipchart-Trainer. Ich nicke mit dem Kopf, während ich deinen Artikel lese. Es kommt nicht darauf an, einen Picasso zu zeichnen, sondern dem Team nützlich zu sein. Und den Prozess voran zu bringen. Da hilft manchmal schon eine simple Zeichnung mehr, als eine langatmige Besprechung. Und "ich kann nicht zeichnen" höre ich in meinen Seminaren immer wieder. Doch schon nach kurzer Zeit kommt auch "Wow, das habe ich gezeichnet". Ich liebe es, wenn Menschen wachsen und über sich staunen können. Und ansonsten habe ich hier einen Blogartikel für alle Hartnäckigen-Zeichen-Verweigerer :-) http://sinnstiften.biz/ich-kann-nicht-zeichnen-ist-das-wahr/ SinnSTIFTende Grüße, David
    • Torsten J. Koerting sagt:8. Februar 2017 um 21:40 (Editieren)
      Hallo David, danke für Deine Resonanz. Du sprichst mir aus der Seele und das eigentliche 'Tun' ist der Schlüssel zum Erfolg. Nein Blogbeitrag spricht genau diesen limitierenden Glaubenssatz an und gibt tolle Impulse. Danke dafür Torsten

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